Sonntag, 23. Juli 2017

Amsel-Waisenkind ....

... in der Bredouille.

Es hat jämmerlich gezwitschert, als mein Enkelsohn aus dem Keller etwas holen wollte. Da saß doch tatsächlich ein Vögelchen auf einem alten Schrank und jammerte. Wie es in den Keller kam? Ich vermute daran ist Peterle nicht ganz unschuldig. Er bringt uns meistens seine Beute. Dieses mal dürfte sie ihm rechtzeitig entwischt sein.


Das Vögelchen war, nachdem es verschreckt anfangs einige tollpatschige Kellerflüge absolvierte, bald danach zusammengeduckt sitzen bleibend leicht zu fangen. Was nun? Erstes Quartier war in einem Korb mit einer Insektenhaube darübergestülpt.

 

Dann ging das große Raten los. Was mag das wohl sein. Meise war´s mit Sicherheit keine. Spatz auch nicht. Vielleicht eine Heckenbraunelle? Anfangs dachten wir Peterle habe dem Jungvogel vielleicht die langen Schwanzfedern ausgerupft. Aber da passte auch die Farbe nicht wirklich. Ein Zaunkönig wäre eher möglich gewesen, aber dafür war es zu groß. Dank Google konnten wir eruieren, dass es sich um eine junge Amsel handelt und bei diesen die Schwanzfedern noch kurz sind. Was frisst eine Amsel? Eifrig gruben wir im Garten nach Regenwürmern, aber da war nichts. Es ist offensichtlich zu trocken und diese dürften sich in tiefere Regionen zurückgezogen haben.

Einige Fliegen, etliche Spinnen, zwei Heidelbeeren und ganz kleingeschnittene Stückchen Rindfleisch sowie ein wenig Wasser mit der Pipette waren das erste Futter, welches der kleine Piepmatz gierig annahm. Gleich am nächsten Morgen führte uns der Weg ins Zoogeschäft um Mehlwürmer zu kaufen. Wir stellten fest dass das Amselkind gefräßig war wie ein Kuckuck. Ach ja, die Lösung mit dem Weidenkorb und der Insektenhaube war auch nicht optimal. Wir kauften daher auch einen Vogelkäfig.

 
Einen in dem das Vogelkind auch etwas Bewegungsfreiheit haben sollte. Wir hängten den Käfig gut geschützt ins Freie unter die dicht wuchernde Uhudler-Weinrebe. Hielt ich anfangs das Vöglein bei der Fütterung noch in der Hand und gab ihm die Würmer mit der Pinzette,


ein Würmchen (nicht gegrillt) am Spieß


Bei dem heißen Wetter ist Trinken wichtig!
versuchte ich einen weiteren Tag später die Würmer auf einem Holzspieß aufgespießt durch das Gitter zu servieren. Der Vogel sollte sich ja nicht zu sehr an uns gewöhnen und siehe da, das mit dem Spieß klappte wunderbar. Wasser gab es nach wie vor zu jeder Mahlzeit mit der Pipette. Und das alle eineinhalb bis zwei Stunden mindestens für eine halbe Stunde.

Jammerte anfangs das Amselkind noch zum Erbarmen, scheint sich inzwischen weitgehend wohl zu fühlen und das ängstliche Gepiepe klingt inzwischen eher nach fröhlichem Gezwitscher. Besonders wenn es merkt, dass ich mich mit den Würmern nahe! Und ich brauch ihm die Würmchen nicht mehr in den Schlund stecken, sondern es holt sich diese schon selber. Auf Anraten eines Sachkundigen Bekannten meiner Nachbarin werden wir es füttern bis es von selbständig die angebotene Nahrung aufnimmt und das Wasser allein trinken kann - und dann wieder frei lassen.

Besonders gerne sitzt es auf seiner bunten Schaukel.
 
 
Das kleine Wesen ist nun schon ziemlich gewachsen und auch mir inzwischen sehr ans Herz gewachsen und hat mit Vorliebe ständig den Schnabel offen - typisch Weibchen halt!
 
Ich werde das Gezwitscher vermissen und fürchte fast schon ein wenig den Tag, an dem wir es in die Freiheit entlassen werden. Peterle, der Urheber dieses Desasters scheint allerdings ein wenig eifersüchtig zu sein, dass ich um seine Beute so ein "G´scher" mache oder er hat ein schlechtes Gewissen. Er umschmeichelt mich jedenfalls derzeit besonders intensiv.
 


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